Veranstaltungen zum Thema

Sorten- und Saatgutwesen

Versuchsfeld der IPAS, Sojabohnen

Der politische Umbruch Anfang der 90-er Jahre brachte auch für die mongolische Landwirtschaft weitreichende Veränderungen. Die Strukturen im staatlichen Saatgutsektor lösten sich auf, Institutionen wie die Sortenprüfstationen konnten aufgrund der personell und finanziell angespannten Situation ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen und gesetzliche Vorgaben blieben unberücksichtigt. Mitte der 90-er Jahre wurden einige Versuchs- und Sortenprüfstationen der Mongolischen Staatlichen Universität für Landwirtschaft und dem der Universität angegliederten Institut für Pflanzenbau und Agrarwissenschaften in Darkhan unterstellt, andere Sortenprüfstationen wurden mit der Staatlichen Reserveabteilung zusammengelegt. Letztlich verblieben vier Sortenprüfstationen, aber auch diese sind nur bedingt arbeitsfähig. Der Saatgutsektor wird zwar weitgehend staatlich kontrolliert, wichtige Einrichtungen für Pflanzenzucht und Sortenprüfung werden jedoch nur mit begrenzten finanziellen Mitteln ausgestattet.

Mit der Transformierung des Agrarsektors wurden Ackerbaubetriebe umstrukturiert bzw. aufgelöst. Damit erschwerten sich nicht nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Saatgutvermehrungsbetriebe, auch konnten zahlreiche gut ausgebildete Fachkräfte nicht weiter beschäftigt werden. Bis heute konnten die institutionellen Strukturen und fachlichen Kompetenzen im Saatgutsektor nicht in dem Maße wiederaufgebaut werden, um eine effiziente und leistungsfähige Saatgutwirtschaft zu entwickeln. Das nationale Förderprogramm „ATAR 3“ (2008-2010) gab einen Anstoß zu vermehrten Saatgutimporten, die inländische Saatgutproduktion kann den Bedarf der Landwirte jedoch nach wie vor nicht decken

Weizenfläche

Der jährliche Bedarf an Weizensaatgut beträgt ca. 48.000 t. Davon stellen die Ackerbaubetriebe ca. 35.000 t Weizensaatgut selbst zur Verfügung bzw. ein Teil der Ernte wird im Herbst für das nächste Jahr reserviert. Das bedeutet, dass über 75 % Prozent des Saatguts in der Mongolei Nachbausaatgut sind. Die Staatliche Reserveabteilung und der Agrarfond stellen jährlich für die Bestellung ca. 8.000 t zur Verfügung, die restlichen 5.000-6.000 t Saatgut werden aus Russland importiert.

 

Das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Leichtindustrie sowie staatliche und private Einrichtungen in der Mongolei stehen vor der großen Herausforderung, ein zukunftsfähiges Saatgutsystem aufzubauen, welches sowohl die Anforderungen der Ackerbaubetriebe als auch die der Saatgutproduzenten berücksichtigt.

Auf dem Gebiet des Sorten- und Saatgutwesens kooperiert das DMKNL mit mongolischen und deutschen Projektpartnern wie z. B. dem Institut für Pflanzenbau und Agrarwissenschaften in Darkhan (Mongolei) und dem deutschen Bundessortenamt.

Die Projektmaßnahmen konzentrieren sich u. a. auf:

  • Unterstützung des MELL bei Entwicklung und Aufbau eines nationalen Saatgutsystems;
  • Beratung des MELL bei der Formulierung gesetzlicher Grundlagen und Regularien für Sortenprüfung, -zulassung und -schutz sowie Saatgutverkehr;
  • Fachliche Beratung beim Aufbau von Institutionen (z. B. Sortenkommission, Prüfstationen);
  • Fortbildung von Fachkräften aus der Saatgutwirtschaft;
  • Förderung von Kontakten und fachlichem Austausch zwischen mongolischen Vertretern der Saatgutwirtschaft und deutschen/internationalen Einrichtungen (z. B. BSA, BDP, UPOV, ESA, ISTA).