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Risikomanagement

Kartoffelsortierung

Ackerbaubetriebe sind mit einer Vielzahl externer und interner Risikofaktoren konfrontiert. Regelmäßig auftretende Ertragsverluste oder Totalausfälle durch Wetterextreme infolge des Klimawandels bilden ein besonders großes Risiko für die mongolischen Landwirte.

Die mittlere Temperatur in der Mongolei ist laut dem UN-Umweltprogramm in den vergangenen 70 Jahren um > 2 °C gestiegen. Damit war der Temperaturanstieg annähernd doppelt so hoch, verglichen mit dem globalen Durchschnitt. Negative Folgen des Klimawandels sind die deutliche Abnahme der Biomasse auf den natürlichen Grünlandflächen und eine zunehmende Desertifikation sowohl auf den Grünland- als auch den Ackerflächen. Die Anzahl der Tage mit Staubstürmen in der Mongolei hat in den vergangenen Dekaden signifikant zugenommen.

Im Verlauf der ersten Projektphase des DMKNL war insbesondere das Jahr 2015 durch extreme Trockenheit gekennzeichnet. Pflanzen- und Tierbestände litten während der ohnehin sehr kurzen Vegetationsperiode (Mai-September) unter anhaltender Dürre und hohen Temperaturen. Die Weizenerträge lagen fast 50 % unter denen früherer Jahre. Die mongolische Regierung, Agrarwissenschaftler und Landwirte stehen vor der Herausforderung, geeignete Anpassungsstrategien zu entwickeln, um die Auswirkungen von Klimawandel und Extremwetterlagen für die mongolische Landwirtschaft zu mindern.

Feldstreifen

Ein nachhaltiger Risikomanagementansatz auf betrieblicher Ebene bildet eine wichtige Grundlage, landwirtschaftliche Unternehmen vor existenzbedrohenden Schäden bzw. Ertragsverlusten zu schützen. Ein wichtiges Instrument des Risikomanagements stellen Agrarversicherungen dar. In der Mongolei wurde bereits 2014 eine indexbasierte Tierversicherung etabliert, welche Tierverluste der Nomaden im Falle von Extremwetterereignissen wie dem Dzud kompensiert. Das mongolische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Leichtindustrie (MELL) beabsichtigt daher, eine landwirtschaftliche Versicherung auch für Ackerbaubetriebe zu etablieren. Ein Gesetzentwurf für eine solche Versicherung befindet sich in Vorbereitung. Unter Leitung des MELL und des Finanzministeriums wurde eine Arbeitsgruppe gegründet. Mitglieder der Arbeitsgruppe sind neben den beiden Ministerien die Agricultural Reinsurance LLC (AgRE), welche auch maßgeblich an der Entwicklung der Tierversicherung beteiligt war, Vertreter mongolischer Versicherungsunternehmen und das DMKNL.

Bei der Entwicklung eines Versicherungskonzepts, welches sowohl auf Anbieter- als auch Versicherungsnehmerseite Akzeptanz finden soll, stellt sich u. a. die Frage nach der Risikoübernahme und finanziellen Beteiligung durch staatliche und privatwirtschaftliche Akteure. Ein nachhaltiges Konzept muss die Erwartungen, Bedarfe und Leistungsfähigkeit der beteiligten politischen Institutionen, der Versicherungsanbieter und landwirtschaftlichen Betriebe berücksichtigen.

Das DMKNL unterstützt und berät die Arbeitsgruppe „Agrarversicherung“ in folgenden Bereichen:

  • Entwicklung eines Versicherungsansatzes, welcher technisch und ökonomisch umsetzbar ist und von den Ackerbaubetrieben nachgefragt wird
  • Beratung des Ministeriums und der AgRE bei der Formulierung eines Gesetzes für eine landwirtschaftliche (Ernte-)Versicherung
  • Schulung mongolischer Fachkräfte bei der Risikoidentifikation und -bewertung
  • Durchführung von Beratereinsätzen, Workshops und Seminaren im Rahmen der Beratungs- und Schulungsmaßnahmen
  • Bereitstellung von Informationen zu Agrarversicherungsmodellen in Deutschland und anderen Ländern.